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Rubinrot/Wikia-Kritik

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Deutschland kann auch Fantasy

Die deutsche Filmlandschaft ist generell nicht für ihre Liebe zu Fantasy-Geschichten bekannt. Dafür gibt es verschiedene Gründe, die leider eher praktischer Natur sind und nichts mit dem Geschmack der Zuschauer und Fans zu tun haben. Bei den sogenannten Kulturbeauftragten, die zahlreich in den Redaktionen der Fernsehsender und den Gremien der Förderanstalten sitzen, ist das klassische Drama in der Regel immer noch höchstes Gut. Es gibt nicht umsonst den Begriff der „deutschen Schwere“, der auch dieses Jahr auf der Berlinale wieder oft zu hören war. Da die Genre-Skeptiker aber meistens diejenigen sind, die über die Finanzierung eines Films entscheiden, haben es die Autoren und Regisseure, die ihre Themen auf andere Art und Weise erzählen wollen, hierzulande oft nicht leicht. Ehrlicherweise muss man natürlich auch zugeben, dass die Budgets in Deutschland generell niemals so hoch sein können wie in den USA und Co. und Fantasy - wenn es denn gut aussehen soll - in der Regel schlicht und einfach einiges kostest. Ausgerechnet dem „Lindenstraße“-Erfinder Hans W. Geißendörfer ist es jetzt aber gelungen, ganz ohne Fernsehgelder einen Film zu produzieren, der sich visuell und inhaltlich keineswegs hinter der Konkurrenz aus Amerika verstecken muss.


Rubinrot Screenshot 2.jpg
Gwendolyn Shepherd ist 16 und wächst in einem großen Anwesen in London mit einer Schar von weiblichen Verwandten auf. Während sie das Glück hat, eine normale Kindheit genießen zu können, wurde ihre Cousine Charlotte seit sie denken kann, auf ihre Rolle als Zeitreisende vorbereitet, für die sie aufgrund ihres Geburtsdatums alle halten. Als dann aber stattdessen Gwendolyn plötzlich übel und schwindelig wird und sie sich völlig unvorbereitet in der Vergangenheit wiederfindet, müssen alle Beteiligten wohl oder übel akzeptieren, dass sie und nicht Charlotte der „Rubin“ ist, auf den die uralte Geheimloge der Zeitreisenden seit langem wartet. Ihre Mutter ist davon genau so entsetzt wie ihre Cousine, die die Fähigkeit imd Gegensatz zu Gwendolyn immer als Geschenk betrachtet hat und außerdem in Gideon de Villiers, einen anderen Zeitreisenden und somit ständigen Gefährten, verliebt ist. Auch diesen Platz an Gideons Seite muss jetzt Gwendolyn einnehmen, denn die Loge hat große Pläne für die beiden. Trotz seines guten Aussehens ist Gwendolyn anfangs von Gideons arroganter Art völlig angewidert und lässt sich nicht von ihm herum kommandieren. Widerworte ist der smarte 19-jährige allerdings nicht gewöhnt und kann nicht anders, als von Gwendolyns trotziger Art und ihrem Mut beeindruckt zu sein...


Wenn man nur den ersten Teil der Trilogie gelesen hat, fällt es etwas schwer, sich die Geschichte als Film vorzustellen, denn die Handlung scheint mit einer klassischen Film-Dramaturgie und ihren Spannungsbögen nicht unbedingt vereinbar. Man merkt allerdings, dass Kerstin Gier und die Drehbuch-Autorin Katharina Schöde gut zusammen gearbeitet haben, um dieses Problem zu lösen. Wichtige Ereignisse wurden chronologisch vertauscht, was fast immer Sinn macht und gut funktioniert. Ohne zu viel verraten zu wollen, kann ich sagen, dass Fans, die bisher nur den ersten Band gelesen haben, sich über die letzte halbe Stunde des Film sehr wundern werden, aber nicht enttäuscht sein sollten.


Rubinrot Screenshot 3.jpg
Bei der Wahl der Schauspieler haben die Verantwortlichen durch die Bank ein gutes Händchen bewiesen. Maria Ehrich, die während der Drehbarbeiten nebenbei noch ihr Abitur gemacht hat, spielt Gwendolyn absolut souverän. Gerade bei Fantasy- und Sci-Fi-Filmen, in denen die Dialoge oft gestelzt und künstlich klingen, weil dem Zuschauer so viel Hintergrund erklärt werden muss, fällt es oft schwer, das Gesagte natürlich rüber zu bringen. Bei Rubinrot gelingt das aber größtenteils und Maria Ehrich macht Gwendolyn tatsächlich zu der sympathisch „normalen“ Schülerin, mit großem Identifikationspotenzial, die wir schon aus den Büchern kennen. Jannis Niewöhner hat es da als schleimiger Gideon ein bisschen schwerer, denn seine Rolle ist über weite Strecken ziemlich undankbar. Er muss lange nur den arroganten Schnösel geben, der sich überlegen fühlt und bald fragt man sich, wieso Gwendolyn sich trotzdem immer ein bisschen zu ihm hingezogen fühlt. Das trägt entscheiden dazu bei, dass die Liebesgeschichte noch nicht so wirklich unter die Haut geht. Ob Niewöhner so in Robert Pattinson-Manier Mädchenherzen zum Schmelzen bringen kann, bleibt abzuwarten.


Katharina Thalbach zuzusehen ist wie immer eine riesige Freude und die Figur der Tante Maddy passt sehr gut zu ihr. Auch Veronica Ferres ist absolut erträglich und die Rolle der flippigen aber fürsorglichen Mutter kennt sie ja schon aus „Die Wilden Hühner“.

Visuell war ich von Rubinrot absolut begeistert. Effekte, Stunts und Kulissen sind durchweg überzeugend und es ist erstaunlich, wie viel die Produzenten mit dem, für deutsche Verhältnisse akzeptablen aber immer noch kleinem Budget, von knapp sechs Millionen Euro, auf die Beine gestellt haben. Ob ein zweiter Teil gedreht wird, hängt jetzt von dem Erfolg von Rubinrot ab. Es wäre den Fans durchaus zu wünschen.

Fazit: Fans der Bücher werden von dem Film nicht enttäuscht sein und generell kann dieser gut produzierte Fantasy-Film viel Freude machen, wenn man sich von nicht immer nachvollziehbar verliebten Teenagern nicht zu schnell genervt fühlt.


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(Spinelli313 @fandom 11:12, 11. Mär. 2013 (UTC))

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