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Porno trifft Bingo

Filme über ungleiche Freundschaften gibt es viele und das hat gute Gründe. Es ist immer interessant zu beobachten, wie zwei Menschen miteinander umgehen, die auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben und sich deshalb aus ihrer jeweiligen Komfortzone bewegen müssen. Dabei kommen dann wieder Seiten einer Persönlichkeit und Erinnerungen zum Vorschein, die oft lange verborgen und verdrängt waren. Im Beispiel von Starlet lässt Autor und Regisseur Sean Baker zwei scheinbar besonders verschiedene Welten aufeinander prallen. Die 21-jährige Jane, die als Pornodarstellerin ihr Geld verdient und die 85-jährige Sadie, eine unordentliche Witwe, die sich die Zeit vertreibt, indem sie Bingo spielt und im Garten sitzt.


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Jane wird dem Zuschauer als eine junge Frau vorgestellt, die sich in ihrem Leben, so wie es gerade ist, absolut nicht wohl fühlt. In ihrem Zimmer steht nur ein Bett und ihre Mitbewohner, die gleichzeitig ein Paar sind, hängen ständig zugedröhnt auf der Couch herum. Jane will sich davon aber nicht runterziehen lassen und klappert die Nachbarschaft nach privaten Trödelmärkten ab, wo sie auch mit ihrem kleinen Budget Dinge finden kann, die die Wohnung etwas gemütlicher machen. So trifft sie auf Sadie, die gezwungen wird, ihr Haus zu entrümpeln und kauft ihr eine alte Thermoskanne ab. Jane will sie zur Blumenvase umfunktionieren und stellt zu hause fest, dass sie auch früher schon zweckentfremdet wurde, denn irgendjemand hat 10.000 Dollar darin versteckt. Nun stellt sich die Frage: „Geld behalten oder zurück geben?“ Ihre Mitbewohnerin Melissa ist keine Hilfe bei der Entscheidung und so beschließt Jane, das Dilemma auf ihre Art und Weise zu lösen. Sie will herausfinden, wie die alte Frau lebt und ob sie das Geld nötiger hat, als sie selbst.


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Wie zu erwarten, steht Sadie dieser forschen Annäherung einer völlig Fremden erstmal sehr skeptisch gegenüber - wie es wohl jeder von uns tun würde. Wieso sollte jemand aus heiterem Himmel auf einen anderen Menschen zugehen? Oft passiert das nicht - schon gar nicht ohne erkennbares Motiv. So unterstellt sie der jungen Frau erstmal kriminelle Ambitionen und muss kurz darauf das erste Mal über ihren Schatten springen und sich entschuldigen, nachdem sich ihr Vorwurf als unwahr herausgestellt hat. Was dann beginnt ist eine interessante Begegnung von zwei Frauen, zwischen denen eine ganze Generation liegt und die sich trotzdem ähnlicher sind, als sie es für möglich gehalten hätten.


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Das San Fernando Valley, wo sich die Handlung abspielt, ist seit den 70er Jahren das Zentrum der amerikanischen Pornoindustrie. So wie Regisseur Sean Baker und sein Kameramann Radium Cheung uns diesen Ort präsentieren, sieht man ihn in Filmen allerdings nicht oft. Warmes Sonnenlicht und knallige Farben kann man hier vergeblich suchen. Stattdessen hat in dem entsättigten Look alles einen leichten Grünstich und auch die Hauptdarsteller sind dementsprechend gekleidet. Es vergeht viel Zeit, bis man überhaupt fährt, was Jane beruflich macht, erst als sie Sadie schon besser kennengelernt hat, wird ihre Karriere durch Blicke von Männern und schnelle Kameraschwenks über ein paar Lackstiefel angedeutet. Von Glamour oder gar Erotik ist im Alltag der Pornofilm-Produktion nichts zu spüren. Während der Drehbarbeiten wird über Staub auf dem Regal gestritten, der Produzent telefoniert und Jane winkt ihm zum Abschied, während sie gerade mitten in der Szene ist.


Das alles führt dazu, dass Starlet trotz der verrückten Ausgangssituation sehr authentisch wirkt. Die Pornoindustrie wird nicht verteufelt und trotz ihres Berufs ist Jane eine ganz normale 21-jährige, die ab und zu ihre Mutter vermisst und mehr Halt und Unterstützung braucht, als ihr ihr treuer Chihuahua, der dem Film übrigens seinen Namen gegeben hat, bieten kann. Andere Klischees lässt der Film leider nicht aus. Wenn Melissa und ihr Freund studenlang Ego-Shooter spielen, soll das wohl ein Zeichen für ihre emotionale Abstumpfung sein - da hat es sich der Drehbuchautor ein bisschen einfach gemacht.


Fazit: Starlet ist ein interessantes Porträt zweier Frauen, von denen eine ihr Glück und die andere scheinbar gar nichts mehr sucht und trotzdem etwas findet. Die beiden Hauptdarstellerinnen liefern tolle Performances ab, die leider nicht immer darüber hinweg trösten können, dass der Film an einigen Stellen zu lang(-atmig) geraten ist und alle Figuren, mit Ausnahme von Jane und Sadie blass und klischeehaft bleiben.


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