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Waltz with Bashir
2008 liefterte der bis dahin nahezu unbekannte Regisseur Ari Folman mit "Waltz with Bashir" eine Dokumentation ab, die das Publikum umhaute und dem Film eine Oscar-Nominierung einbrachte. Erzählt wurde die Geschichte eines Kriegsveteranen, der im Gespräch mit einem Journalisten versucht, seine traumatischen Erinnerungen zu verarbeiten. Die Figuren und Ereignisse sind komplett animiert, aber die erzählten Erinnerungen und Gefühle sind echt und die des Regisseurs selbst - eine hochinteressante Mischform, die "Waltz with Bashir" zu einem sehr emotionalen Anti-Kriegsfilm werden ließ, der sich trotz Animation kaum authentischer anfühlen könnte.


Eine ähnliche Herangehensweise hat Folman auch in The Congress wieder gewählt und diesmal hat das stilistische Element der Animation noch mehr inhaltliche Relevanz. Fünf Jahre ließ sich der Regisseur Zeit für sein Nachfolgewerk, aber das Warten hat sich gelohnt. The Congress eröffnete dieses Jahr das Filmfestival in Cannes und auch wenn das Fantasy Filmfest sich damit vielleicht nicht ganz messen kann, waren die meisten deutschen Fantasy- und Horror-Fans wohl ähnlich gespannt wie die Kritiker und Branchen-Insider an der Côte d'Azur vor ein paar Monaten.


The Congress Still
In dem Science-Fiction-Film, der in naher Zukunft spielt, geht es um die Schauspielerin Robin Wright (gespielt von Robin Wright), die sich entscheiden muss, ob sie die Rechte an sich selbst, also ihrem Namen, Körper und Image als Schauspielerin für 20 Jahre an eine Produktionsfirma verkaufen will. Diese würde sie dann komplett einscannen, verjüngen und fortan für die Filme ihrer Wahl animieren und einsetzen können. Die Vorstellung, für ihre Karriere keine eigenen Entscheidungen mehr treffen zu können, ist Robin zuwider, doch ihr Agent überzeugt sie, dass sie das Ganze auch als eine Chance auf Freiheit in ihrem Privatleben sehen kann. Schließlich willigt sie ein.


Bis zu ihrer Entscheidung, ihr Alter Ego im digitalen Raum weiterleben zu lassen, ist The Congress absolut beeindruckend. Robin Wright und Harvey Keitel, der ihren Agenten spielt, liefern mitreißende Performances ab, die dem Zuschauer ganz konkret vor Augen führen, was Schauspiel in seiner besten Form sein kann und was in der Filmhandlung verloren zu gehen droht. Keitel hält einen Monolog, der so unter die Haut geht, dass man sich auch in 100 Jahren nicht vorstellen könnte, so etwas nur annähernd am Computer reproduzieren zu können.


The Congress Still 2
Anschließend gerät der Film etwas aus den Fugen, obwohl er eigentlich erst richtig anfängt. Nach einem Zeitsprung von zwanzig Jahren wird Robin zu einem Kongress geladen, der sich in einer komplett animierten Stadt abspielt, was mittlerweile nur durch die Einnahme eines kleinen Chemiecocktails möglich ist. Die eindigitalisierten Menschen spielen jetzt kaum noch eine Rolle, denn es steht die Hoffnung im Raum, dass bald jeder selbst physisch und psychisch genau so werden kann, wie er es sich erträumt. Für Robin ist das eine Horror-Vorstellung und bald beginnt für sie eine Reise durch die verwirrende Welt von Animation, Fantasie und Fiktion, bei der es eigentlich darum geht, ein letztes Stückchen "Wahrheit" zu finden - wenn sowas denn überhaupt noch existiert oder jemals existiert hat.


Fazit: Man kann sich The Congress sicher zehn Mal anschauen und wird immer noch etwas Neues entdecken und Denkansätze finden, die einen vieles infrage stellen lassen. Es geht hier um nicht weniger als die menschliche Existenz in ihrem Kern, verbunden mit konkreten technischen und ideologischen Entwicklungen. Auch wenn man manchmal das Gefühl hat, dass der Regisseur sich stellenweise zu viel vorgenommen hat und der Film in der zweiten Hälfte ein paar Längen aufweist, ist "The Congress" trotzdem einfach ein Film, den man gesehen haben muss.


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