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Eine Knalltüte sucht sich selbst

Spätestens seit "Brautalarm" ist Melissa McCarthy eine feste Größe in Hollywoods Comedy-Riege. Die Academy war von ihrer Performance als übergewichtiges Tramepltier mit Herz sogar so angetan, dass sie für einen Oscar nominiert wurde. Das zog wie zu erwarten einigen Spott auf sich, der sicher nicht nur von Neidern kam. Diese Nominierung war tatsächlich mehr als fragwürdig und wohl, wie so oft, einfach eine aufmunternde Geste an alle Filmemacher, die sich dem lustigen Genre zugewandt haben und sich über die überwältige Mehrheit der Drama-Preisträger empören. Das soll keinesfalls bedeuten, dass Melissa McCarthy generell keiner Nominierung würdig wäre. Ihre Rolle in Brautalarm gab es zwar nicht her, genau so wenig wie die in Voll Abgezockt, doch auch hier macht die Schauspielerin das beste draus und kann ihr großes Talent, das sich nicht nur auf Comedy beschränkt, in vielen Szenen beweisen.


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Diana lebt in Florida wie die Made im Speck. Sie verbingt ihre Tage damit, allen möglichen Ramsch einzukaufen, sich im Schönheitssalon verwöhnen zu lassen, in Bars jedem Drinks auszugeben, der danach fragt und dann Party zu machen, bis entweder der Arzt kommt, oder sie rausgeschmissen wird. Der Haken an der Sache: So ein Lebensstil geht ins Geld und Diana verdient keins. Das heißt allerdings nicht, dass sie keins hat - ganz im Gegenteil. Diana hat sich darauf spezialisiert, Identitäten zu stehlen. Mit unzähligen Pässen und Kreditkarten fehlt es ihr an nichts und sie kann jeden Tag von Neuem entscheiden, bei wem diesmal das Geld abgebucht wird. Schon ihr ganzes Leben ist sie mit dieser Taktik gut gefahren, doch diesmal hat sie sich das falsche Opfer ausgesucht. Sandy Patterson wird von Existenzängsten geplant. Er lebt mit seiner schwangeren Frau und den zwei Töchtern in einem kleinen Apartment und verdient gerade so viel, wie die Familie monatlich zum Leben braucht. Die Hoffnung auf eine Beförderung wird ins Gegenteil verkehrt und da kommt es ihm gerade recht, dass ihm ein neuer, wesentlich lukrativerer Job, in Aussicht gestellt wird. Als er den gerade antreten will, macht ihm allerdings Diana einen Strich durch die Rechnung, da sie mittlerweile seine Kreditkarten ausgereizt hat und unter Sandys Namen verhaftet wurde. Da die Behörden sich bei dem Problem als keine Hilfe herausstellen, beschließt Sandy, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und seinen guten Ruf wieder herzustellen.


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Als Zuschauer fällt es schwer, die übergewichtige Diebin mit der zerwühlten Dauerkrause nicht sofort ins Herz zu schließen. Von Anfang an wird uns hier eine Frau präsentiert, die auf völlig durchgeknallte Art und Weise liebenswert, aber sich selbst trotz aller Kreativität und scheinbarer Lebensfreude absolut ungeliebt fühlt. Hübsche Verkäuferinnen kichern über sie, Freunde muss sie sich mit Alkohol kaufen. Die Verletzungen verwandeln sich in Trotzigkeit und Aggression, was einem stellenweise das Lachen schnell wieder im Halse stecken bleiben lässt. Als Diana und Sandy endlich aufeinander treffen, entwickelt sich eine interessante Chemie mit viel komödiantischem Potenzial. Der spießige Zahlenarbeiter und die bekloppte Diebin ohne Moralvorstellungen sind ein unerwartet gutes Team, in dem der eine vom anderen viel lernen kann. Sandy entwickelt Nerven und Humor, während Diana immer mehr ihre sensible Seite durchblicken lässt. Die Sache soll natürlich lustig bleiben und mit diesem Ziel haben sich die Drehbuchautoren leider immer wieder in die Nesseln gesetzt. Viel zu oft werden die Witze platt und rutschen die Figuren in nervige Klischees ab. Diana müsste einem Polizisten nicht neongrün ins Gesicht kotzen und auch die seltsame Sex-Szene, sowie einige dämliche Sprüche sind mehr als unnötig.


Was im Gesamturteil nur wie ein einzelner Kritikpunkt wirken mag, tut dem Film leider einen ganz massiven Abbruch, denn er wirft den Zuschauer immer wieder raus, wenn er gerade angefangen hat, tatsächlich mit den beiden mitzufiebern.


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In Voll Abgezockt geht es um das immer spannende Thema der Identitätssuche, für das das Figuren-Duo prädestiniert zu sein scheint. Eine Frau ohne echten Namen, die sich unzählige Geschichten und Persönlichkeiten zurecht gelegt hat, trifft auf einen Familienvater, der jeden Schritt seines Lebens durchgeplant hat und jegliche Unsicherheit ausmerzen will. Aus diesem Grund bleibt Voll Abgezockt länger im Kopf als so manche andere Hollywood-Komödie - die oft platten Witze stellen die Geduld des Zuschauers dabei allerdings auf eine harte Probe.


Fazit: Voll Abgezockt ist ein spaßiger Film, der interessante Themen anschneidet, aber leider immer wieder zu tief in Banalitäten abrutscht. Ihn sich anzusehen ist sicher keine Zeitverschwendung, kann aber durchaus im Heimkino stattfinden.


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Spinelli313 @fandom 11:41, 27. Mär. 2013 (UTC)

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